Reiflertheater
Theaterpädagogik

Die schwarzen Brüder

nach dem Roman von Lisa Tetzner

Aufführungen im Jahre 2005 im Schulhaus Seinacker in Pfäffikon ZH

Nachdem im Klassenverband das Buch "Die schwarzen Brüder" ausführlich behandelt wurde, sollte nun aus diesem Roman in Theaterstück entstehen.

Ich bereitete einen Szenenplot vor, der auf zwei Grundideen basierte. Mir war ein Anliegen, dass die Kinder nur Kinder und keine Erwachsenen spielen sollten. Deshalb erschuf ich möglichst viele Szenen, in welchen nur Kinder vorkamen. Die Erwachsenen kamen nur in den Erzählungen der Kinder vor, und - das war die zweite Grundidee - in den Berichten des Erzählers. Der Erzähler wurde aber nicht von einem Kind, sondern von einem Grossvater gespielt. Der Erzähler, oder besser gesagt, die Hauptfigur Giorgio als alter Mann, erzählte den Kindern, die um ihn herum sassen, aus seinem Leben und leitete so einzelne gespielte Szenen ineinander über. Massenszenen wie der Markt von Locarno, die Wanderung, die Schiffsfahrt, die Beerdigung oder die Schlägerei im Park unterbrachen auch die Einzelgespäche zwischen Giorgio und weiteren Protagonisten. Die einzelnen Szenen wurden nun von den SchülerInnen selbst geschrieben, so auch die Monologe des alten Giorgio, und von mir zum ganzen Skript zusammengesetzt. Grössere Szenen entstanden durch Improvisation.

Auf einer Bühne, die aus vielen ineinandergeschachtelten Podesten bestand und deren eine Hälfte durch Natursteinbilder den Tessin und auf der anderen Hälfte durch Backsteinbilder Mailand symbolisierten, brachten die 10 4.KlässlerInnen und 12 6.KlässlerInnen die einstündige Fassung des Meisterwerks von Lisa Tetzner zum Erfolg.

Zusammenfassung

Bis weit ins 19. Jahrhunderts hinein verkauften arme Tessiner Bergbauern ihre acht- bis fünfzehn-jährigen Söhne als Kaminfeger nach Mailand, um wenigstens knapp über die Runden zu kommen. Dort mussten die verkauften Kinder unter erbärmlichsten Bedingungen durch die finsteren und verrussten Kamine klettern und diese mit blossen Fingern reinigen. Das war eine schwere und anstrengende Arbeit. Die meisten Jungen verhungerten oder starben irgendwann an einer schlimmen Krankheit. Der einzige Trost, den sie hatten, war ihr Bund der "Schwarzen Brüder".

Diese Geschichte erzählt von einem solchen Jungen. Von einem Jungen namens Giorgio, dem es nach vielem Leid und vielen Verlusten gelang, mit ein paar seiner Brüder einen Weg zu finden, aus dieser "Sklaverei" zu entfliehen und nach vielen Jahren wieder in seine Heimat und zu seiner Familie zurückzukehren.

Mailand im 19. Jahrhundert

Giorgio, ein kleiner Bube aus einem Tessiner Bergdorf ist von seinem Vater nach Norditalien verkauft worden, um dort als Kaminfeger zu arbeiten. Giorgio hat grosse Angst vor dem Ungewissen. Noch nie war er für so lange Zeit von seiner Familie getrennt. Doch zum Glück ist er nicht ganz allein. Sein Freund Alfredo, der das gleiche Schicksal hat, unterstützt ihn und macht ihm Mut, das Leid zu ertragen. Und da ist der Mann mit der Narbe, der die beiden gekauft hat. Er hat nur ein Ziel: Er will die beiden Jungen zu gutem Geld machen.

Mailand präsentiert sich bei Giorgios und Alfredos Ankunft farbenfroh und vom lebendigen Treiben der Marktfrauen geprägt. Giorgio und Alfredo werden noch am Tag ihrer Ankunft an verschiedene Kaminfegermeister verkauft.

Giorgio kommt in eine Familie, in der es ihm alles andere als gut. Die Meisterin und ihr Sohn Anselmo sind Giorgio gegenüber voller Verachtung. Der einzige Mensch, dem er sich anvertrauen kann, ist Angeletta, die todkranke Tochter seines Meisters. Nachts, wenn alles schläft, lässt sie Giorgio aus seinem Verschlag.

Je länger der Winter andauert, desto kälter pfeift der Wind durch die hohen Häuserschluchten Mailands. In den Strassen lauern die «Wölfe», eine Gemeinschaft Mailänder Strassenjungs. Sie sind die Feinde der Kaminfegerjungen, der «Spazzacamini». Und in den Häusern lauert die unmenschliche Arbeit: Als lebendiger Besen steigt Giorgio in heisse Kamine, um diese mit blossen Händen vom Russ zu befreien. Die Hitze ist unerträglich, und des Öfteren erstickt er beinahe dabei.

Durch seinen Freund Alfredo, den es bei seinem Meister noch schlimmer getroffen hat als Giorgio, wird er in den Bund der «Schwarzen Brüder» aufgenommen. Dieser Bund von «Spazzacamini» hat sich gegenseitige Hilfe geschworen und kämpft gemeinsam gegen die Angriffe der Wölfe.

Als Giorgio eines Tages bei seiner Arbeit im Kamin stecken bleibt, bekommt er unerwartete Hilfe. Dr. Casella, ein Arzt aus Lugano, rettet ihm das Leben und beide schliessen Freundschaft.

Und es beginnt Giorgio zu dämmern, dass sein Leben hier in der Fremde nicht enden muss, dass es einen Weg aus der Dunkelheit Mailands geben kann, zurück in die weit entfernte Heimat, zurück nach Hause. Bei einem geheimen Treffen beschliessen die schwarzen Brüder die Flucht zu wagen. Doch da bekommen die Jungen unerwartet Besuch von den Wölfen ...