Reiflertheater
Regie

leben. gelebt werden

von Björn Reifler

Aufführungen im Jahre 2000 im Hermestheater in Dettingen, Konstanz

Pressebericht im Südkurier:

Wenn aus Vertrautheit Fremdheit wird

"leben. gelebt werden.": Uraufführung von Björn Reiflers Stück im Hermes-Theater Dettingen

Das Hermes-Theater in Dettingen hat sich eigentlich auf selten gespielte Stücke bedeutender Autoren spezialisiert. Nun konnte man in Dettingen eine Welturaufführung erleben. Der junge Schweizer Björn Reifler hat in Zusammenarbeit mit Sandra und Jost Schneider sein erstes Theaterstück auf die Bühne gebracht.

Im Rahmen seiner Ausbildung am Lehrerinnen- und Lehrerseminar Kreuzlingen hatte er sich als Patentarbeit die Aufgabe gestellt, Theaterstücke zu schreiben und zu inszenieren. Den Freunden des Hermes-Theaters ist Björn Reifler bereits als Schauspieler bekannt. Sein erstes Theaterstück "leben. gelebt werden." Besteht aus neun Szenen, die einen kurzen Einblick in das Leben von fünf Männern und sechs Frauen geben. Der Zuschauer wird Zeuge der momentanen Verfassung der Einzelnen und erfährt dabei Bruchstücke aus der Vergangenheit, Andeutungen der Zukunft, ohne Interpretation.

Ein kleines Mädchen, das in einem Hinterhof spielt und ein rotes Kleid trägt, verbindet die Personen. Das Kind dient als Leitmotiv, bleibt dabei aber im Hintergrund. Björn Reifler geht es um den Einfluss, den die Menschen aufeinander und auf das Schicksal des Mädchens haben, die Interpretation aber, die möchte er dem Zuschauer überlassen. Jeder kann sich so seine eigene Geschichte zusammenstellen.

Die einzelnen Szenen sind kurz und eindrucksvoll. Vor allem Almut Schäfer überzeugte in "Gitterzone" als Frau, die nur noch eine Empfindung kennt: Kälte. Doch auch den anderen Darstellern gelingt es, die Zuschauer hineinzuziehen, in das Leben wildfremder Menschen. Man kann sich dem Bedürfnis nicht verweigern, Zusammenhänge herzustellen und zu interpretieren. In jeder Szene muss sich der Zuschauer auf neue Charaktere, au neue Zusammenhänge einstellen. Nur das Paar aus der ersten Szene begegnet den Zuschauern ein zweites Mal, am Ende. Ihre Beziehung - zu Beginn noch liebe- und lustvoll - hat sich verändert. Sogar die Atemgeräusche des anderen wirken störend. Aus der Vertrautheit ist Fremdheit geworden.

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